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Gitarrenunterricht bekam Joe jedenfalls zunächst von einem Freund seines Vaters Mariano, der jedoch nach kurzer Zeit meinte „Vergiss es! Der Junge lernt das nie.“, unter anderem wegen Joes relativ kurzen Fingern. Joes Vater jedoch bat diesen im Anschluss inständig, Joe weiteren Gitarrenunterricht zu geben, wobei man von professionellem Unterricht eigentlich nicht reden kann, eher vom Anlernen einiger Akkorde zu italienischen Liedern. Dann dauerte es nicht lange und Joe konnte viel besser Gitarre spielen als sein Lehrer. Zu dieser Zeit hörte Joe zudem viel Radio, vor allem Interpreten, die nicht Gitarre spielten, sondern beispielsweise Klavier. Joe hörte zu der Zeit zum ersten Mal den Saxophonisten Charlie Parker. Von sich aus versuchte er, dessen Songs nachzuspielen. Joes Vater hatte sehr großen Einfluss auf seinen Sohn. Er sang ihm oft Lieder vor, die Joe dann nachspielen und ihre Melodie auf der Gitarre ausschmücken sollte. Er selbst konnte nicht Gitarre spielen, besaß jedoch ein recht ausgeprägtes (musikalisches) Verständnis. Und er übte großen Druck auf seinen Sohn aus. Jeden Tag musste Joe insgesamt 6 Stunden täglich üben. Wenn ihn sein Vater bei anderen Tätigkeiten erwischte, bekam er Tritte, weshalb er sich noch Jahre später recht eigenartig bewegte: Joe verlebte so nicht die übliche Jugend eines Jungen in seinem Alter - er spielte kein Fußball und balgte sich nicht mit Gleichaltrigen herum. Aber immerhin erkannte sein Vater Joes Begabung. Als Joe später noch einmal nach Springfield (Massachusetts) reiste, erinnerte er sich daran, dass er hier seinen ersten Preis von der Gewerkschaft „Guitar Guild“ gewonnen hatte. Im Alter von 12 oder 13 Jahren spielte er dort mit einem anderen Jungen den „Ungarischen Tanz Nr.5“ von Brahms und ein Jazzstück mit dem Titel „Chicken with the wings“. Joe sagte darüber mal in einem Interview: „Ich weiß heute gar nicht mehr, wie das geht.“ Zu diesem Auftritt brachte ihn damals der Inhaber eines Musik-Ladens in Johnstown, wo man sich gelegentlich (auch Jazz-) Schallplatten anhören durfte, der Besitzer dieses Geschäftes interessierte sich sehr für Joes Gitarrenspiel. An dem Wettbewerb konnte nur teilnehmen, wer an einer Musikschule unterrichtet wurde. Also gab der Mann an: „Joe ist ein Schüler von uns.“ und so konnte Joe seinen ersten Preis gewinnen. Joes Vater und auch seine Mutter haben, bewusst oder unbewusst, das Richtige getan: Sein Vater nämlich fragte immer, wenn kleinere italienische Gruppen oder Kapellen kamen, ob Joe nicht ein wenig bei ihnen mitspielen könne. Und schließlich hatte Joes Vater in einem Orchester einen Freund und fragte ihn dann: „Kann Joe nicht, wenn du auf ihn aufpasst, in den Schulferien mit euch reisen?“ und der stimmte zu. Dort spielte Joe alles Mögliche von Tango und Walzer bis hin zu Jazzstücken. Joe hatte Glück, denn seine Mitspieler waren erfahrene jazzorientierte Musiker. Die kannten die Musik von Ben Webster, Coleman Hawkins und Roy Aldridge in- und auswendig. Joe war zwölf Jahre alt und improvisierte auf der Bühne. Joes Mutter besuchte eines Tages ein Kino, in dem es damals ein Orchester gab, das zumindest in den Pausen spielte. Auf der Bühne entdeckte sie einen Verstärker, der aussah wie Joe's "Amplifier". Dann trat der Dirigent vor das Mikrophon und sagte: „Wir haben heute einen jungen Mann dabei...“ um dann sehr vielversprechend "Joe Martin“ anzkündigen. Joe spielte zu diesem Zeitpunkt auf einer Martin-Gitarre spielte und Amerikaner konnten den Namen „Passalaqua“ nur schwer aussprechen. Seine Mutter ahnte nichts von diesem Auftritt und sah dann ihren Sohn auf der Bühne. Joes Vater Mariano hatte dieses Konzert arrangiert. So streng wie seinvater oft mit Joe war, so hat er ihm doch immer wieder weitergeholfen. Und obwohl Joe damals nicht gut auf seinen Vater zu sprechen war, hat er später erkannt, dass Marianos Engagement ihm das Rüstzeug für seine spätere Karriere gab. Um 1949, im Alter von zwanzig, war Joe im Zentrum des Geschehens auf New York’s 52. Straße und jammte mit Leuten wie Dizzy Gillespie, Coleman Hawkins und Art Tatum. Leider wurde er bald drogenabhängig. Die folgenden Jahre wurden von Joe später als ein Totalverlust bezeichnet: „That were ten lost years.“ 1960 entschloss sich Joe, sich in eine Drogenrehabilitationseinrichtung in Kalifornien einweisen zu lassen. Drei Jahre später verließ er die Synanon-Klinik clean und mit einer neuen positiven Einstellung zum Leben. Noch in der Klinik entstand die legendäre Schallplatte "Sounds of Synanon". Er fing langsam an, Konzerte in Los Angeles zu spielen, nahm Schallplatten auf und war bald wieder ein äußerst gefragter Gitarrist. Nachdem er zwei Jahre in George Shearings Orchester spielte, landete er 1973 bei Norman Granz’s Label Pablo. Hier fand er glücklicherweise den künstlerischen Raum, den er benötigte. Die von Norman Granz produzierten Alben „Virtuoso“ brachten ihm weltweite Anerkennung als Meister der Solo-Jazz-Gitarre. Sein Spiel wird noch heute hauptsächlich mit dieser Kunst in Verbindung gebracht, Joe Pass war jedoch auch als Single-Note-Spieler weltklasse. Joe starb am 23. Mai 1994 und hinterließ glücklicherweise eine umfangreiche Dokumentation seines Spiels auf Schallplatten und in Notenbüchern. In den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens erhielt er endlich die Anerkennung, die er eigentlich Ende der 50er Jahre schon verdient hatte. |
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